ausstellungen vorschau

Ville Kansanen - reclined - 2015

Selbstportrait als Konzept

Emmanuelle Bousquet, Ville Kansanen, Arno Rafael Minkkinen

Eröffnung am 5. November 2016, 19 Uhr – 21.30 Uhr

Ausstellung vom 08.11.2016 bis zum 22.12.2016

Öffnungszeiten:

08.11.2016 bis 05.12.2016

Di. - Fr. 16:00 bis 19:00 Uhr, Sa. 11:00 bis 18:00 Uhr

06.12.2016 bis 22.12.2016

gerne nach telefonischer Vereinbarung 0177 3202913

Selbstportraits gehören seit Langem zu den bevorzugten Bildmotiven von Künstlern.

Die Frage, ob zeitgenössische Kunst und Fotografie, insbesondere im Zeitalter der massenhaften „Selfies“, noch in der Lage ist die spezifische Persönlichkeit eines Individuums einzufangen und abzubilden und der aktuelle Diskurs über Identitätskonstruktion als solche beschäftigen derzeit viele Künstler an den unterschiedlichsten Orten der Welt.

Die Ausstellung "Selbstportrait als Konzept" in der in focus Galerie konzentriert sich auf die Strategien der Darstellung und Inszenierung des eigenen Ichs von drei Künstlern, die jeweils einen eigenen, ganz besonderen Stil entwickelt haben.

In der Fotografie der Gegenwart eine bestimmte „Handschrift“ zu etablieren, erfordert Talent, kreative Ideen, Durchhaltevermögen und ein gutes Gespür für das Medium. Die Entwicklung eines eigenen Stiles bedeutet, Fotografien zu schaffen, die die eigenen Intentionen am besten ausdrücken, so dass ein Werk entstehen kann, das der eigenen Inspiration und Erkenntnis dient und auch für andere eine Offenbarung darstellt.

Emmanuelle Bousquet, Ville Kansanen und Arno Rafael Minkkinen sind sowohl Fotografen als auch Künstler, die seit Jahren ein klares Konzept mit unterschiedlichen Ansätzen verfolgen und einen eigenen Stil mit überzeugenden Ergebnissen entwickelt haben.


Arno Rafael Minkkinen
, (*1945, finnischer Fotogaf, lebt und arbeitet in den USA)

Seit über 40 Jahren setzt der finnisch-amerikanische Künstler Arno Rafael Minkkinen fotografisch in erster Linie seinen Körper ein, um surrealistische Ansichten des Menschen und der Natur ins Bild zu setzen. Die in focus Galerie zeigt in dieser Ausstellung eine Auswahl seiner frappierenden Natur- und Körperstudien, mit denen Minkkinen seit Jahrzehnten das Verhältnis von Mensch und Natur auf originelle und durchaus auch amüsante Weise auslotet. A. R. Minkkinen spielt mit Formen und mit Größenverhältnissen und hält seine Kreationen in faszinierenden Schwarzweißfotografien fest.

Arno Rafael Minkkinen erhielt seinen Master of Fine Art (MFA) in Fotografie an der Rhode Island School of Design. Gegenwärtig ist er Professor für Kunst an der University of Massachusetts, Lowell und lehrt an der Aalto Universität in Helsinki. Zudem betätigt er sich als Kurator und Essayist. Die nicht nachbearbeiteten Selbstporträts in der Landschaft sind einem internationalen Publikum durch zahlreiche Bücher, Zeitschriften, Vorträge und über 100 Einzelausstellungen weltweit bekannt. 2006 wurde Minkkinen mit dem Finnish National Art Prize in Photography, 2013 mit dem Lucie Award for Achievement in Fine Art und 2015 mit dem John Simon Guggenheim Memorial Foundation Fellowship ausgezeichnet. Er ist in vielen bedeutenden Sammlungen in Museen weltweit vertreten.


Ville Kansanen
(*1984, Espoo, Finland, lebt und arbeitet in San Francisco). Wir zeigen den in Deutschland noch nahezu unbekannten jungen Fotografen mit einer Auswahl seiner Arbeiten aus seiner jüngsten Serie „The Procession of Spectres“, die im Jahr 2015 entstanden ist. Die Bilder schaffen ein komplexes Spannungsgeflecht zwischen majestätischer Landschaft, surrealer Struktur, dem Selbst des Künstlers und einer erhabenen Stille. Das Werk Kansanens konfrontiert den Zuschauer mit der scheinbaren Unendlichkeit und Übermächtigkeit einer ursprünglichen Natur. Diese wird zur Projektionsfläche für Reflexionen über die menschliche Existenz, um rückbezüglich eine emotionale Beziehung zwischen diesen beiden Entitäten zu erschaffen. Das Gefühl von Einsamkeit und Isolation, das die Bilder ausstrahlen, enthüllt jedoch keine endgültige Hoffnungslosigkeit, sondern mündet in einer tröstenden Melancholie.

Der Fotograf Ville Kansanen hat in verschiedenen Ausstellungen in New York, Los Angeles, New Orleans, San Diego, Lexington, Fort Collins, London, Berlin und Athen seine Arbeiten gezeigt. Darüber hinaus wurde sein Werk 2015 mit dem "Lucie Award for Discovery of the Year" und dem "International Photography Award as Fine Art Photographer of the Year" ausgezeichnet.

 

Neben der Zentralstellung des physischen wie symbolischen Körpers spielen viele Fotografinnen mit Geschlechterkonzeptionen und den damit verbundenen Fragen nach der eigenen Identität. Wie wird der eigene weibliche Körper vor der Kamera präsentiert? Welche Normen sind damit verbunden? Auch Emmanuelle Bousquet (lebt und arbeitet in Paris) erforscht in ihren Fotografien diese Fragen. In der hier gezeigten Serie „Illusionen“ von 2010 posiert und fotografiert sie sich in verschiedenen Rollen mit unterschiedlichen Charakteren.

 

Wenn man sich die Serie „Illusionen“ von Emmanuelle Bousquet genauer ansieht, erkennt man, dass ihre Selbstportraits etwas wirklich beängstigendes beheimaten. Es geht eine gewisse Brutalität von Ihnen aus, als würden sie sagen: „Macht das Licht aus. Lasst mich nicht alleine im Dunkeln.“ In diesem Austausch zwischen dem Mädchen, das sich selbst anschaut, das, welches uns betrachtet und derjenigen, die wir wahrnehmen, finden wir das klare Werk der Verführung. Was vollkommen genügen würde, um eine faszinierende Reihe formaler Schönheit zu kreieren. Dennoch lässt sie uns darüber hinaus, mit jeder Falte und jeder Geste, in die geflüsterten Geheimnisse eines Kindes, eines Jugendlichen, eine junge Frau hineinhorchen.

Sich selbst zu fotografieren, heißt sich selbst in Gefahr zu begeben. Auch wenn ihre Porträts extrem konstruiert sind, sprechen sie, paradoxerweise, von der Notwendigkeit los zu lassen

Nachdem Emmanuelle Bousquet die Schule für Journalismus in Paris mit Diplom abschloss, besuchte sie die UCLA in Los Angeles und absolvierte ein Programm am SPEOS Photography Institute in Paris. In 2004 traf Emmanuelle den Fotografen Antoine d’Agata, der ihr vorschlug, sie solle ihren Weg mit Selbstportraits vertiefen und weiter verfolgen. “Mein eigenes Modell zu sein, erlaubt mir, jedes Detail der Fotografie zu kontrollieren und eins zu werden mit dem Bild. Dies meint nicht, sich selber zu glorifizieren, sondern es dient dazu, einen Weg zu finden, meine Gedanken auszudrücken, mein Körper wird zum Instrument meines Geistes.“ Das Resultat ist ein ästhetisches und symbolbeladenes Konzept einer Selbstinszenierung, welches zum wesentlichen Merkmal ihres fotografischen Stils geworden ist.