ausstellungen vorschau

Licht, Schatten und Chemie

Fotografie ohne Kamera

Kilian Breier, Pierre Cordier, Esther Hagenmaier, Karl Martin Holzhäuser, Roger Humbert, Gottfried Jäger, Floris M. Neusüss, Wendy Paton , Jack Sal, Luigi Veronesi

Zur Eröffnung am 14.01.2017 von 19.00 – 21.30 Uhr spricht Prof. Dr. Gudrun Scholz, Kunstwissenschaftlerin. 

Öffnungszeiten: 17.01. - 16.02.2017:
jeden Di. - Fr. 16 - 19 Uhr, Sa. 11 - 18 Uhr

 

 

Licht, Schatten und Chemie

Das Licht ist die wichtigste Voraussetzung für jedes fotografische Bild und entsprechend im Namen des Mediums manifest. Licht und Schatten waren und sind aber nie nur Voraussetzung für das endgültige Bild, sondern immer auch eine Herausforderung.

In dieser Ausstellung der in focus Galerie geht es um Fotografie ohne Kamera – gestern und heute. Es ist „pure“ Fotografie, basierend auf dem ureigenen Prinzip von Licht und lichtempfindlichem Träger. Das Licht steht als Akteur im Mittelpunkt. Es spielt sowohl eine ideelle als auch formgebende Rolle: das Licht als Phänomen, als Kontrast zur Dunkelheit, als Thema und Motiv, sein Einfluss und seine unmittelbaren Auswirkungen auf Gegenstände und die verwendeten Materialien.

Es ist der Moment des Zufalls, der für das Fotogramm, Luminogramm und Chemigramm gleichermaßen konstitutiv ist. Beim Verfertigen des Fotogramms sieht sein Schöpfer ausschließlich jene Seite der Objekte, die keine Spuren hinterlassen werden, bei Luminogrammen – operiert er zwar mit den Lichtquellen, ohne aber deren Wirkung im einzelnen abschätzen zu können und bei den Chemigrammen gestaltet - neben den Eingriffen des Künstlers - das Zusammenspiel von verschiedenen Chemikalien auf lichtempfindlichem Papier das Bild.

Die ausdrucksstarken und faszinierenden Unikate entstehen nach zahlreichen Versuchen und aufgrund der langjährigen Erfahrung aller in dieser Ausstellung vertretenen Künstler. Die in der Ausstellung „Licht, Schatten und Chemie“ vertretenen Künstler, die alle über viele Jahre ihren eigenen künstlerischen Weg beschreiten, können durchaus als die maßgeblichen Vertreter der zeitgenössischen Fotogramm-, Luminogramm- und Chemigrammkunst gelten.

 

Das Fotogramm und seine Künstler
Als Fotogramm (Hagenmaier, Jäger, Neusüss, Paton) wird die direkte Belichtung von lichtempfindlichen Materialien wie Film oder Fotopapier im Kontaktverfahren bezeichnet. Das Ergebnis ist die Erzeugung eines negativen Schattens, der je nach Transparenz der Objekte auf dem Fotopapier variiert. Im Gegensatz zu Fotografien lässt sich durch Fotogramme kaum ein Hinweis nach Zeit und Raum ablesen, die Objekte werden aus ihrem Originalkontext genommen und verhindern eine traditionelle Lesart des Bildes. Dass das Fotogramm vor der Fotografie erfunden worden ist, liegt nahe und hat einfache Gründe. Man benötigt nicht das Gehäuse einer Kamera und auch kein Objektiv, weder beschichtete Platten aus Kupfer oder Glas, sondern nicht mehr als ein lichtempfindlich gemachtes Papier. Darauf werden Blumen und Blätter, Halme und Gräser oder andere Dinge gelegt, und für eine gewisse Zeit wird das Arrangement dem Sonnenlicht ausgesetzt, worauf die Gegenstände ihren Abdruck hinterlassen. Die undurchsichtigen Partien bilden sich nicht ab, die transparenten führen zu Grauwerten, die unbedeckten Flächen des Papiers verfärben sich unter dem Einfluss des Lichts dunkel. Es entsteht ein Unikat mit negativer Darstellung.

 

Floris M. Neusüss entwickelt wie kaum ein anderer Künstler bis heute die altehrwürdige Technik der Fotogramme weiter und schafft dabei stets neue und faszinierende Ausdrucksformen. In Verbindung mit Doppelbelichtung, mehreren überlagerten Ansichten und Solarisation erzeugen Neusüss Bilder ein irritierendes Paralleluniversum der Realität. Die direkte Einwirkung von Licht und Körperlichkeit auf das Fotopapier schafft die Verwirrung zwischen scheinbarer Nähe zur Realität und gleichzeitiger Auflösung in bizarr fantastischer Unbestimmtheit. Die Motive im Fotogramm, so formuliert Prof. Klaus Honnef, erscheinen wie rätselhafte Geistererscheinungen. Licht und Schatten schaffen ein Klima des Geheimnisvollen. Die Bilderfindungen von Neusüss sind in dieser Technik immer Unikate, die im Herstellungsprozess genau kalkuliert und berechnet sind, in der Ausführung dann aber doch neue und überraschende Effekte bieten. In dieser Ausstellung werden Arbeiten aus seinen wichtigen Serien „Tellerbilder“, 1960er und 1970er Jahre, „Nachtstücke“ 1987 – 1994, „Barbie“ 1990er Jahre und „Pflanzen“ 1990er Jahre gezeigt. Neusüss wurde 1937 in Deutschland geboren, absolvierte ein Studium der Wandmalerei an der Werkkunstschule Wuppertal, der Fotografie an der Bayerischen Staatslehranstalt für

Photographie in München und der Experimentellen Fotografie bei Heinz Hajek-Halke an der Hochschule für Bildende Künste Berlin. Seit 1960 beschäftigt er sich mit Fotogrammen. 1972 bis 2002 war er Professor für Experimentelle Fotografie an der Kunsthochschule Kassel. Seit 1961 wurde Floris M. Neusüss international in nahezu 200 wichtigen Museen und Galerien gezeigt und gesammelt. Zahlreiche Publikationen dokumentieren sein Schaffen.

 

Gottfried Jäger „... entdeckt das Fotogramm als Möglichkeit, um nicht nur die Avantgarden im allgemeinen und Moholy-Nagy im besonderen ästhetisch-theoretisch zu erkunden, sondern zurück bis zu den Anfängen der Fotografie zu gehen, dies aber mit der klaren Intention, das, was dort zum Bild wurde, nun zur intellektuellen Anschauung zu machen. … Die Welt der Fotografie wird in ihre elementaren Einheiten zerlegt und dann neu montiert und in Serien übersetzt, die regelrechte experimentelle Versuchsreihen darstellen. Die Fotografie bleibt in diesem Durchgang nicht dieselbe, sondern steht am Ende verwandelt da: ein technisch-ästhetisch- intellektuelles Wunderland der Bilder, die doch ganz konkret sind. Sie sind Fotografien der Fotografie. Die Fotografie ist wieder zu einem Kosmos geworden und führt uns eine neu geordnete und anders konfigurierte Welt vor Augen. Die Fotografie wird nun im Wortsinn zur theoria, zur Anschauung. Sie zeigt uns eine andere Welt, ja ist eine andere Welt. “ (aus Bernd Stiegler, Gottfried Jäger: Der Fotograf der Fotografie Laudatio zur Verleihung des Kulturpreises 2014 der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh), Berlin, 7. März, 2014) Gottfried Jäger (geboren 1937 in Deutschland) wird als einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Fotografie gesehen. Von 1973-2002 war er Professor an der Fachhochschule (FH) Bielefeld im Bereich Kunst tätig. Seine Tätigkeiten als Professor und seine grundlegenden Bücher über Abstrakte / Generative Fotografie bis zur Konkreten Fotografie schufen das theoretische Fundament für dieses spezielle Genre innerhalb der Kunst mit dem Medium Fotografie. Jägers Arbeiten können in vielen Sammlungen weltweit gesichtet werden, z.B. in der Sammlung des George Eastman House, Rochester; im Sprengel Museum, Hannover; im Museum Ludwig, Köln; in der Sammlung Peter C. Ruppert im Museum Würzburg; im Museum Folkwang, Essen; im Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum, München; im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg; in der Bibliothèque Nationale, Paris. Jäger lebt und arbeitet in Deutschland.

 

Esther Hagenmaier (geboren 1975 in Deutschland) studierte von 1999 –2006 Freie Kunst an der HBKsaar, Saarbrücken und an der École des Beaux-Arts in Rennes (F) mit einem Diplom in Freier Kunst. Sie war Meisterschülerin von Sigurd Rompza. Das Grundthema ihrer Arbeiten ist der Raum bzw. unsere Wahrnehmung von Räumlichkeit. Bei den Fotogrammarbeiten benutzt sie geometrische Schablonen. Der Belichtungsvorgang ist recht diffizil, da die einzelnen Dreiecksschablonen perfekt aneinander anliegen müssen, damit keine Fugen entstehen. Dieses Ausrichten kann nicht im Licht überprüft werden. Im Ergebnis entstehen Arbeiten, die stark dreidimensional wirken. Die in dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten stammen aus dem Jahr 2014. Seit 2006 wurde Esther Hagenmaier in vielen Ausstellungen und auf Kunstmessen gezeigt. Obwohl sie erst wenige Jahre künstlerisch tätig ist, kann sie schon mehrere Künstlerstipendien und zwei Kunstpreise vorweisen. Weithin gilt sie als vielversprechendes junges Talent.

 

Wendy Patons Arbeiten wurden international in vielen Museums- und Galerieausstellungen gezeigt. Sie ist in wichtigen Sammlungen in den Vereinigten Staaten und in Europa vertreten, u.a. im Museé de la Photographie in Charleroi, Belgien, im James A. Michener Museum in den USA und in der Sammlung der Lumiere Brothers Center of Photography in Moskau. Die Bibliothèque Nationale, Paris erwarb von ihr gerade erst im Oktober 2016 6 Arbeiten, darunter drei Arbeiten aus der hier gezeigten Fotogrammserie. Sie arbeitet immer in schwarz-weiß, entweder auf Film oder direkt auf Silbergelatine Barytpapier. Sie erstellt oder vergrößert ihre Arbeiten in ihrer eigenen Dunkelkammer in New Jersey. Paton wurde in den USA geboren und lebt und arbeitet in New Jersey, New York und in Paris.

 

Das Luminogramm und seine Künstler

Luminogramme (Holzhäuser, Humbert, Breier, Veronesi) entstehen ohne Mitwirkung von Gegenständen und nur durch die Modulation von Licht auf lichtempfindlichem Papier und ergeben so ebenfalls in der Regel Unikate. Veronesi belichtete allerdings auch auf Film und erstellt so kleine Auflagen. Die Künstler operieren bei den Luminogrammen zwar mit den Lichtquellen, ohne aber deren Wirkung bis zum letzten Detail bestimmen zu können.

 

Karl Martin Holzhäuser (geboren 1944 in Deutschland) ist neben Jäger und Humbert einer der ersten Vertreter der Konkreten Fotografie. Heute kreiert Holzhäuser ein neues Genre im Bereich der kameralosen Fotografie, welches Elemente eines genau geplantes Programms und eines kalkulierten Zufalls verbindet. Holzhäuser nennt diese Werke “Lichtmalerei” oder “painting with light”. Holzhäuser arbeitet komplett im Dunklen und bewegt die leuchtenden Farben mittels eines selbst gebauten „Farbpinsels“ mit der Hand auf dem Papier. Hellere und dunklere Farben ergeben sich auch aus dem Duktus, wie Holzhäuser den Farbpinsel bewegt. Arbeiten von Karl Martin Holzhäuser sind in zahlreichen Sammlungen u.a. im Museum für Kunst und Geschichte, Freiburg; in der Artothek Kunstverein, Bielefeld; in den fotografischen Sammlungen der Städte Leinfelden und Detmold; im Marburger Kunstverein, Marburg; in der Peter C. Ruppert Sammlung im Museum im Kulturspeicher Würzburg; und in der Schupmann Sammlung vertreten.

 

Roger Humbert (geboren 1929 in der Schweiz) ist ein Schweizer Pionier der Konkreten Fotografie. Seit den 1950er Jahren hat Humbert eine umfangreiche Sammlung an fotografischen Werken hervorgebracht. In seinen Fotoarbeiten löst er sich von Gegenständen und thematisiert die Fotografie als konkretes Objekt selbst, indem er Lichtquellen experimentell und inszenatorisch einsetzt. Seine Luminogramme sind von einer technischen Formgestaltung geprägt. Formelemente wie Schablonen, Lochkarten, Stanzabfälle werden in einer Lichtquelle so komponiert, dass sie rein auf ihre geometrischen Strukturen reduziert werden. Die Lichtführung entmaterialisiert sie und lässt sie vibrierend und schwingend erscheinen. Humberts experimentelle, kameralose Fotografie steht in Zusammenhang mit dichten Überlegungen, die ausgehend von Konstruktivismus und Existentialismus auf eine grundlegende Erneuerung der Fotografie und des Lebens zielen. Er gab sein komplettes Werk an die Fotostiftung Winterthur, die dort sein Werk wissenschaftlich erforscht und Ausstellungen organisiert. Im Frühjahr 2014 hatte Roger Humbert im Rappaz Museum in Basel eine Retrospektive seines Schaffens. Deshalb gibt es nur einzelne Werke aus seinen frühen Jahren von 1950 bis 1975 im Handel. Roger Humbert lebt und arbeitet in Basel, Schweiz.

 

Kilian Breier wurde 1931 in Deutschland geboren und starb im April 2011 in Hamburg. Er absolvierte von 1952 bis 1953 ein Studium der freien Malerei an der École des Beaux-Arts in Paris und von 1953 bis 1955 ein Studium der Fotografik an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken bei Hannes Neuner und Otto Steinert. Von 1959 bis 1962 war er Mitglied der Neuen Gruppe Saar, von 1961 bis 1966 Dozent an der Werkkunstschule in Darmstadt. 1966 wurde er als Professor für Fotografie an die Hochschule für bildende Künste Hamburg berufen und war dort von 1968 bis 1999 am Institut für Visuelle Kommunikation tätig. Breiers fotografische Arbeiten bewegten sich im Kontext der bildenden Kunst, immer auf der Suche nach den spezifischen Mitteln der Fotografie. Das Material in seinen Eigenschaften sollte für sich sprechen, die Eingriffe des Gestalters dabei offengelegt werden. In den Ergebnissen ergaben sich Ende der 1950er Jahre Verbindungen zu anderen Künstlern aus der Konkreten Kunst. Breier wurde schließlich 1960 von Otto Piene und Heinz Mack zur Teilnahme an der letzten Katalogproduktion der Gruppe Zero zur Ausstellung "Zero 3" in Mailand eingeladen.

 

Luigi Veronesi (geboren 1908 in Italien, gestorben 1998) war ein italienischer Fotograf, Maler, Bühnenbildner und Filmregisseur. Er begann seine künstlerische Tätigkeit in den 1920er Jahren, indem er eine Ausbildung als Textilzeichner absolvierte. Mit zwanzig Jahren interessierte er sich für die Malerei, und er besuchte Kurse beim neapolitanischen Maler Carmelo Violante, damals Lehrer bei der Accademia Carrara in Bergamo, Italien. Im Jahr 1932 reiste er nach Paris und begegnete Fernand Léger. Seine ersten Werke,welche noch figurativ waren, wurden in der Galerie il Milione in Mailand vorgestellt. Später begann Veronesi die abstrakte Kunst zu erforschen. Im Jahre 1934 machte er eine gemeinsame Ausstellung mit Josef Albers in der Galerie Il Milione. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied der Gruppe Abstraction-Création in Paris. Er experimentierte mit dem Konstruktivismus und übernahm die Bauhaus-Methode. Am 4. März 1935 nahm er an der ersten Gemeinschaftsausstellung der abstrakten Kunst Italiens im Atelier der Maler Felice Casorati und Enrico Paolucci in Turin teil. Die Teilnehmer unterschrieben das „Manifest der ersten Ausstellung über die abstrakte Kunst Italiens“. Luigi Veronesi war ein polyvalenter Künstler, der die verschiedenen Strömungen der Avantgarde Europas zu synthetisieren vermochte.

 

Das Chemiegramm und Pierre Cordier

Chemigramme (Chimigramme nach Cordier) sind eine primäre Form fotografischer Gestaltung und somit vergleichbar mit dem Fotogramm und dem Luminogramm. Es basiert auf der Reaktion von lichtempfindlichem Papier mit Entwickler und Fixierbad und somit auf fotochemische Verfahren. Es verbindet die Physik der Farbe (Firnis, Wachs, Öl) und die Chemie der Fotografie (lichtempfindliche Schicht, Entwickler, Fixierbad) - ohne Kamera, ohne Vergrösserer und bei natürlichem Tageslicht.

 

Als Hauptvertreter gilt der Belgier Pierre Cordier, der 1956 das erste Chemigramm schuf und 1963 diesen Begriff urheberrechtlich schützen ließ. Ohne je eine Aufnahme gemacht zu haben, erzeugt Cordier Chemigramme allein durch die fotochemische Behandlung und Gestaltung lichtempfindlicher Papiere in der Phase der Entwicklung und Fixierung. Das Prinzip des Zufalls, das in seinen Werken immer einer große Rolle spielt, erlaubt ihm eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten. 1958 folgte Cordier einer Einladung von Otto Steinert nach Saarbrücken, welcher später daraufhin notierte: „Die Chemigramme sind, ohne Zweifel, eine Station in der Entwicklung der gestalterischen Fotografie und ihrer Geschichte. Ein Maler kann kaum eine solche Präzision in den Strukturen und Farben haben wie in den Arbeiten von Pierre Cordier“. Seine Werke sind in vielen internationalen privaten, wie öffentlichen Sammlungen vertreten u.a. im Centre Georges Pompidou - Paris, im Musée national d’art moderne - Paris, im Musée d’Art moderne de Bruxelles - Belgien, in der Peter C. Ruppert Sammlung Konkreter Kunst im Museum im Kulturspeicher Würzburg und im Victoria & Albert Museum - London. Pierre Cordier (geboren 1933 in Brüssel) lebt und arbeitet in Brüssel, Belgien.

 

Das Cliché Verre und Jack Sal

Das Cliché Verre oder auch Glasklischeedruck genannt (Jack Sal) ist ein Gefährte des Fotogramms. Hierbei handelt es sich um ein Hybrid aus Fotogramm und Handzeichnung. Die Blätter sind Kontaktkopien auf lichtempfindlichem Papier von einem manuell angefertigten Bild/Gegenstand auf einer Glasplatte. Zur Herstellung eines Cliché verre wird meist eine Glasplatte mit einer lichtundurchlässigen Deckschicht (oftmals dunkle Farbe, Druckerschwärze) bestrichen. Sie kann obendrein hell eingefärbt und auf einen dunklen Untergrund gelegt werden, um den Entstehungsprozess besser überblicken zu können. Die Zeichnung ritzt man in die Beschichtung dieser Glasplatte. Beim Zeichnen erscheinen die Linien durch den freigelegten dunklen Untergrund schwarz auf weiß. An den gravierten Stellen wird die Platte lichtdurchlässig. Belichtet man diese Platte auf ein Fotopapier, erscheint die eingeritzte Zeichnung als positive, seitenverkehrte Linienzeichnung und kann auf diese Art fotochemisch vervielfältigt werden.

 

Jack Sal (geboren 1954 in Connecticut, USA) ist seit den 1980er Jahren als Künstler für seine Installationen, Zeichnungen und Fotoarbeiten international bekannt. Er nutzt die Technik nicht, um gezeichnete Abbilder zu schaffen, sondern um das Verfahren selbst zu hinterfragen und transparent zu machen. Seine Arbeiten wurde gezeigt und gesammelt von Institutionen wie das Museum of Modern Art in New York, Haifa - Museum of Art in Israel, Museum Ludwig in Köln, Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt, Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, Kunsthalle Bielefeld, Center for Creative Photography in Tucson – Arizona, National Museum in Di San Matteo Pisa, Italy. Jack Sal lebt und arbeitet in New York und in Italien.